Der Wasserturm Brandenburg - Kirchmöser

 

Der Wasserturm, das Wahrzeichen Kirchmösers, befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen „Königlich Preußischen Pulverfabrik“ bei Plaue (Havel), die wegen Mangels an Sprengstoffen an den Fronten des Ersten Weltkrieges, errichtet wurde.


Am 21. Februar 1916 wurde der 60,5 m hohe Wasserturm nach Plänen des Baurates Reichle fertig gestellt. Zuerst errichtete man das Standgerüst mit dem 750 m³ fassenden Behälter und konnte es nach Anschluss der Armaturen und Leitungen bereits vor Fertigstellung der Außenhülle nutzen. Die äußere Hülle aus Ziegelmauerwerk wurde später um das Standgerüst erbaut, sie ist ohne Tragfunktion in Bezug auf die Behälterkonstruktion.


Nach seiner Inbetriebnahme wurde der Wasserturm für die Versorgung des Kraftwerkes und des Turbinenhauses mit Wasser genutzt, stellte die Löschwasserversorgung in der Pulverfabrik und den nötigen Wasserdruck sicher. Außerdem bediente er die umliegenden Siedlungen mit Trink- und Waschwasser. Gespeist wurde der Wasserturm durch das nördlich gelegene Havelwasserwerk.


Mitte der 1920iger Jahre wurde der Wasserturm Teil der städtischen Wasserwerke und versorgte umliegende Gemeinden mit Wasser.


Eine lückenlose Dokumentation der Geschichte des Turmes setzt erst durch die Übernahme durch den VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung - WAB - Potsdam zum 1. Januar 1969 ein. Seit diesem Zeitpunkt erfolgte auch eine Nutzung durch die Forstwirtschaft als Wach- und Koordinationspunkt.


Eine Nutzung des Wasserturmes im Rahmen der Gruppenwasserversorgung nach 1970 kam nicht zustande, der Turm verblieb ungenutzt bestehen. Einzig die Oberförsterei nutzte ihn weiterhin als Wach- und Koordinationspunkt in den Sommermonaten.


Nach einer Objektbegehung wurde dem Turm am 19. März 1991 seine Denkmaleigenschaft nach § 13 Denkmalschutzgesetz bescheinigt. Die Eintragung als Denkmal erfolgte am 13. Mai 1992 aufgrund der geschichtlichen, wissenschaftlichen, technischen, künstlerischen, städtebaulichen und volkskundlichen Bedeutung.


Im Jahr 1995 wurde eine Sendeanlage im Dachaufsatz installiert, sowie eine Sendeantenne auf dem Dach und Richtantennen an den Lisenen des Dachaufsatzes befestigt. Farbgebung und Einbau der Anlagen sind in Abstimmung mit der unteren Denkmalschutzbehörde abgestimmt worden.


Am 01. Januar 2003 wurde der Wasserturm, neben weiteren Anlagen, durch die Stadt Brandenburg an der Havel erworben.


Die nahezu unveränderte Erhaltung und die ablesbare Zugehörigkeit des Wasserturms zur Pulverfabrik mit der klaren Industriearchitektur der späten Kaiserzeit und der aufkeimenden Moderne, stellt die Bedeutung für die Industriegeschichte der Region und des Landes Brandenburg dar. Er ist prägend für das Ortsbild und außerdem ein Orientierungspunkt für die Binnenschifffahrt.


Das äußere Erscheinungsbild des Turmes wird durch den Schaft, den Turmkopf und den Dachaufsatz geprägt. Im sichtbaren Bereich wurden beim Bau ausschließlich rote Ziegelsteine verwendet. Die Gliederung des Schaftes erfolgt durch fünf Fensterebenen zu je 5 bzw. 6 Stahlsprossenfenstern. In der unteren Ebene wird das westliche Fenster durch ein Eingangsportal ersetzt.

 

Im Inneren gliedert sich der Wasserturm in sieben Ebenen. Der charakteristische Aufblick wird durch Ebenen und den hölzernen Tropfboden, der sich unterhalb des Behälters befindet, bestimmt. Das innere Standgerüst besteht aus sechs Stützen, auf denen der Behälter aufgeständert ist. Vier Stahlsteindecken spannen sich zwischen Außenmauerwerk und Standgerüst, die von Stahlträgern gehalten werden.

 
der Wasserturm | 04.09.10