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INDUSTRIEDENKMAL: Schön, schwarz und richtig dick





Fotos: formschön Werbeagenturen

Dampflok mit Tender beim Bürgerfest für die Öffentlichkeit in Kirchmöser installiert

 

Kein Kirchmöseraner wollte sich Samstag das Schauspiel entgehen lassen.

Am Ortseingang Kirchmöser, kurz hinter der Seegartenbrücke und dem Minikreisel, schlängelt sich rechts neben der Fahrstraße eine Grünfläche entlang. Die im Zuge der Revitalisierung des Industriegeländes entstandenen Wiesen bieten Platz für kleine Wege, Bänke und ein letztes Stück historisches Gleis.

 

Jetzt wurde dem Geschäftsführer des Projektmanagements Kirchmöser, Hans-Joachim Freund, ein „Kunstwerk“ für dieses Eisenbahn-erbstück zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei um eine komplette Güterzug-Dampflokomotive mit Schlepptender für Wasser- und Kohlevorräte. Ihr letzter Auftrag: Ihre 23 Meter lange Schönheit als ein Industriedenkmal zu demonstrieren.

 

Jetzt, wo das schwarz-rote Mysterium von 1944 wie ein vergessenes Relikt vor Direktorenhäuser auftaucht, ist das Volksfest zur Präsentation der Dampflok 52 8017-7 schon wieder fast vergessen. Allein das Aufstellen der beiden mobilen Kräne dauerte zwei Stunden. Danach wurde vom Tieflader der Tender auf die Gleise manövriert.

 

18,5 (leer) bis 58,5 Tonnen (voll) kann solch ein Eisenbehälter auf Rädern für Wasser und Kohle wiegen. Besonderns brenzlig ist die Aktion in dem Moment, wenn sich Räder und Gleise zentimetergenau ineinanderfügen müssen. Da halten alle Zuschauer den Atem an. Im Schneckentempo schleichen anschließend Sattelschlepper die enge Platanenallee entlang. Im Schlepptau die majestätische Dampflokomotive.

 

Wie ein betäubtes Tier wird der Koloss zwischen Bäumen behutsam in die Höhe gezogen und positioniert. Tausende Schaulustige sind vor Ort, Hunderte zücken ihre Digitalkameras. Kirchmöser bewegt sich in Zeitlupe. Bald ist nur noch das Kreischen spielender Kinder zu hören. Dann wird die pechschwarze Lok langsam heruntergelassen, fünf Zentimeter bevor sie mit ihren roten Rädern aufliegt stoppt der Kran.

 

Die Motoren der Kräne schnaufen. Die 84 Tonnen Eisenware wird erneut hochgezogen, und beim zweiten Versuch setzt sie perfekt auf. Applaus braust auf. Der Vorhang für das Dampflokfest schließt sich. Theater kann nicht viel besser sein. Ermöglicht hat diesen Höhepunkt im Leben des Ortsteils die private Havelländische Eisenbahn AG (HVLE). Durch ihre positive Entwicklung im Land Brandenburg konnte sie dem Dampflokfreunde Berlin e. V. eines der seltenen Exemplare aus Oberschöneweide abkaufen. Dreieinhalb Jahre dauerten zuvor die Sanierungsarbeiten an der rekonstruierten Kriegslok durch Peter Rust. Jetzt trägt die Lok sogar einen eigenen offiziellen Namen: Kirchmöseraner Pendel.

 

Übergeben wurde die Lok samt Tender bereits vor einigen Tagen, als Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) den Bahnstandort Kirchmöser besucht hatte. Doch nun steht das gute Stück endlich an der Stelle, von wo aus es nun für Jahrzehnte an die Industriegeschichte des Ortsteils Kirchmöser erinnern und den Weg in eine bahnorientierte Zukunft weisen soll.

 

Markische Allgemeine Zeitung, 05.05.2008, (Von Ilia Castellanos)

 

 
INDUSTRIEDENKMAL: Schön, schwarz und richtig dick | 05.02.12 | Druckversion
 

     
 
 
 

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