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Wie in Kirchmöser Jobs entstehen

1045 Menschen arbeiten zurzeit in Kirchmöser,weitere 150 werden 2008 hinzukommen


Kirchmöser. Die 650 Hektar große Halbinsel Kirchmöser am westlichen Stadtrand von Brandenburg/H. gehört zu den bekanntesten Bahnstandorten Deutschlands. In den 20er Jahren entstanden hier mehrere Werke der Reichsbahn und zwei (heute denkmalgeschützte) Werksiedlungen für die Eisenbahner, die 1915 vom Architekten Schmidthenner entworfen wurden. Ursprünglich sollte hier kein Eisenbahnwerk entstehen, sondern eine Pulverfabrik: 1914 kaufte das Kriegsministerium ein 550 ha großes Gelände am Plauer See, um Schießpulver, Schießwolle, Nitroglycerin und TNT für den Ersten Weltkrieg zu produzieren.Bis Ende 1915 entstanden 224 Gebäude, 15 km Straßen und 32 km Gleisstrecke. Über wenige Jahre wurde der damalige 228-Menschen-Luftkurort zur mächtigen Industriegemeinde. 1922 entstand auf dem Gelände der königlichen Pulverfabrik das modernste Reichsbahn-Ausbesserungswerk der damaligen Zeit, das bis zu 3.920 Menschen beschäftigte. Zudem gabs hier die Reichsbahnzentralschule, verschiedene Reichsbahn-Dienststellen und eine Prüf- und Entwicklungsstelle des staatlichen Verkehrswesens.

 



Das Panzerwerk wird zum modernen Industriegebiet ausgebaut. Fotos: pet

Das Gelände des Lokomotiv-Werkes wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bis Anfang der 90er Jahre von den GUS-Truppen für Panzer-Reparaturen genutzt.Zudem machte sich Kirchmöser zu DDR-Zeiten mit Gießerei,Weichenwerk und Gleisbaumechanik einen Namen.Hier wurde auch der Schienenkleinwagen SKL von Generationen von Gleisbaumechanikern entwickelt und gebaut. Nach der Wende verlor der traditionsreiche Industriestandort, in dem heute 4.500 Menschen leben, rund 3.000 Arbeitsplätze, die meisten davon im einstmals größten Betrieb, der GBM Gleisbaumechanik Brandenburg, die zur Wende 2.000 Beschäftigte hatte.Altlasten,alte Industrieanlagen, marode Leitungsnetze und eine schlechte Verkehrsanbindung und die Einstufung als „nicht notwendiges Betriebsvermögen“ durch die Deutsche Bahn verhinderten zunächst einen Wirtschaftsboom.


Zum 1. Januar 2003 übernahm die Stadt das Areal von der Bahn.Der Grundstein für Neuansiedlungen wurde am 2.Februar 2004 gelegt, als Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) den Startschuss für die Revitalisierung des 96 ha großen Industriegebietes Kirchmöser-Nord legte. Die Erneuerung der Infrastruktur, die am 30. Juni 2006 abgeschlossen wurde, kostete laut dem städtischen Projektmanager für Kirchmöser, Hans-Joachim Freund, ca.27 Mio.Euro,von denen 80 Prozent gefördert wurden. Es entstanden u.a. 6,7 km neue Straßen und Wege, wurden 37 km Leitungen verlegt, 600 m Gleise mit acht Bahnübergängen, zwei Klärbecken,zehn Trafostationen, vier Pumpwerke und 8 km Trinkund Abwasserleitung errichtet. Die Flächen seien derzeit zu rund 90 Prozent vermarktet,so Freund. Als nächstes wird seit 2005 das ehemalige 65 ha große Panzerwerk für insgesamt 49,4 Mio. Euro zum Industriegebiet Süd umgestaltet. Bislang seien hier neun Hektar an Unternehmen verkauft, darunter ein Blechverarbeitungswerk und eine Gießerei, berichtet Regionalmanager Dirk Zielke.Von November 2005 bis April 2006 wurden über 90 Gebäude abgerissen und 110.000 t Abbruchmaterial entsorgt. Hinzu kamen 260.000 t belastete Materialien, die separat entsorgt werden müssen.


Im Bereich der ehemaligen Panzer-Tankstelle und der Gasgeneratoren-Station wurden Altlasten bis aus zehn Metern Tiefe abgebaggert. Ein Altlastenzug mit täglich 700 bis 900 t fuhr von August bis Dezember 2006 Material zu Waschanlagen. Bis Ende 2007 wird ein Großteil der Infrastruktur des Industriegebietes Süd fertig sein - darunter u.a.3,6 km Straße,3,6 km Erdgas- Leitungen,24,5 km Stromtrasse, 11,3 km Schmutz- und Trinkwasser- Leitung. Nach dem Abzug der Sowjets wurden hier erhebliche Bodenbelastungen festgestellt - Kerosin,Öl und galvanische Stoffe sickerten ins Erdreich und Grundwasser. Im Umkreis des ehemaligen Gaswerkes drangen giftige Dämpfe aus. Inzwischen ginge es in Kirchmöser mit Arbeitsplätzen wieder aufwärts, freut sich Projektentwickler Freund. Wurden 2004 in den Betrieben am Standort nur noch 640 Mitarbeiter gezählt, waren es zuletzt 1.050. Bis Ende 2008 rechnet Hans-Joachim Freund mit einem Zuwachs von weiteren 150 Arbeitskräften. 19 Firmen hätten sich seit 2004 in Kirchmöser neu angesiedelt, sechs weitere stünden kurz davor - darunter eine Biogasanlage,eine Lösungsmittel- Fertigung und ein Seminarhotel. Hoffnung liege auch bei Außenminister Frank-Walter Steinmeier, dass er Kontakte zu ausländischen Investoren herstellt, sagt Dirk Zielke. Der Außenminister ist Mitglied des ortsansässigen SPD-Ortsvereins und will 2009 für den Wahlkreis als Bundestagsabgeordneter kandidieren.


2008 soll der zweite Bauabschnitt im Industriegebiet Süd beginnen,wo u.a.ein munitionsbelastetes Grundstück gereinigt werden und die Betonmauer verschwinden soll. „Insgesamt werden ca. 93 Mio. Euro ins Industriegebiet investiert“, berichtet Projektmanager Freund.Bis 2010 sollen 90 Prozent des Süd-Areals vermarktet sein. Zudem gebe es neben Industrieansiedlungen die Vision, in Kirchmöser einen Golfplatz zu errichten und wassernahes hochwertiges Wohnen anzubieten, sagt Dirk Zielke. Die Projektentwicklung Kirchmöser (PEK) habe sich auch zum Dienstleister für die ortsansässigen Unternehmen entwickelt - so werden zusammen mit der Arbeitsagentur Fachleute gesucht,bürokratische Verfahren begleitet, Kooperationen mit der Fachhochschule Brandenburg gefördert sowie die Öffentlichkeitsarbeit und Messepräsentation unterstützt.


So bewarb jüngst die PEK auf der Railtec in Dortmund den Bahnstandort und seine Firmen.Die Kirchmöser- Entwicklung hat sich inzwischen auch im Ausland herumgesprochen und gilt als Muster- Modell - erst kürzlich erkundigte sich durch Vermittlung der IHK Potsdam eine moldawische Experten-Delegation vor Ort über die Entwicklung der einstigen Brache. Ein großes Ziel ist indes noch offen: Der Bau eines Zubringers zur Autobahn 2.


Der Preußenspiegel vom 18.11.2007 - René Paul-Peters

 

 
Wie in Kirchmöser Jobs entstehen | 05.02.12 | Druckversion
 

     
 
 
 

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