Die Gleisbaumechanik – so im Allgemeinen der Sprachgebrauch – ist eine der dienstältesten Firmen Kirchmösers. Ihre Geschichte geht zurück bis ins Jahr 1924. Gebaut als Reichsbahnausbesserungswerk, wurde es zu DDR-Zeiten in Werk für Gleisbaumechanik umbenannt. Auch heute noch ist es die wichtigste Aufgabe der rund 110 Beschäftigten, Schienenfahrzeuge für die Bahn zu modernisieren, instand zu setzen und teilweise auch neu zu bauen. Eine große Vitrine im Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes in der Adlerstraße vermittelt einen ersten Eindruck von der Arbeit, die hier geleistet wird.
In den zurückliegenden 80 Jahren hat sich natürlich vieles verändert. Doch geblieben ist die Grundaufgabe, die Geschäftsführer Friedhelm Hahn in einem kurzen Satz so umreisst: „Wir sorgen für eine gut funktionierende Gleisbautechnik.“ Er kann sich dabei auf das in acht Jahrzehnten gewachsene Know-how, auf einen Stamm außerordentlich motivierter Mitarbeiter und eine immer besser werdende Auftragslage verlassen.
„Dabei fing alles gar nicht so erfreulich an. Als ich zum ersten Mal hierher kam, begrüßten mich am Südtor noch eine nicht allzu motiviert blickende Pförtnerin und die schief hängende Schranke. Und Besuchern mochte man das ganze Gebiet schon gar nicht zeigen. Aber ich stand vor vier Jahren vor der Frage: Willst du in einem Betrieb arbeiten, wo es gerade einen Eigentümerwechsel gab und wo das Klima nicht mehr stimmt, oder willst du mit 46 noch einmal Neuland beschreiten?“
Friedhelm Hahn hatte bis dahin eine typische DDR-Karriere hinter sich: Schule, dann Lehre zum Facharbeiter für Informationsverarbeitung, Armee und schließlich ein Informatikstudium in Dresden. „Ich bin mit Leib und Seele Brandenburger, geboren in Bergsdorf bei Gransee, und daher auch gerne ins damalige LEW Hennigsdorf gegangen. Ich war dort bis 2002 Abteilungsleiter in der Wagenkastenproduktion. Aber dann kam das Angebot, im Mittenwalder Schwesterbetrieb der Gleisbaumechanik als Technischer Geschäftsführer zu arbeiten. 2003 sind der Mittenwalder und der Brandenburger Betrieb verschmolzen. Aufgrund der langen Tradition fiel die Entscheidung des Gesellschafters – übrigens eines amerikanischen Eigentümers – für den weiteren Erhalt des Werkes Kirchmöser.“
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 Friedhelm Hahn leitet seit 2003 die Gleisbaumechanik GmbH.
Fotos: ger
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Der inzwischen 50-jährige Diplom-Ingenieur hat sich die Entscheidung für Kirchmöser nicht einfach gemacht. Seine Familie, Eltern und Schwiegereltern leben in Hennigsdorf, die Nähe zu Berlin ist attraktiv. „Am schwerwiegendsten aber ist die Entscheidung, sich vom eigentlich sicheren Beschäftigungsverhältnis zu trennen und eigenverantwortlicher Geschäftsführer in einem mittelständischen Betrieb zu werden. Doch ich sage immer, man darf den Kopf nicht in den Sand stecken. Da ich sehr gerne mit Menschen zusammen arbeite, war das eine echte neue Herausforderung. Na klar, es gibt auch Tage, wo man sich fragt, warum man sich das angetan hat. Zum Beispiel, wenn kurz vor der Übergabe einer Maschine an den Kunden ein technisches Hauptteil versagt.“ Was in der kommenden Woche hoffentlich nicht passiert, wenn Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns die Gleisbaumechanik besucht. „Wir können dem Minister eine Fülle positiver Resultate nennen.
So schließen wir das Geschäftsjahr 2006 erfolgreich ab, und für die folgenden Jahre wird auf der Basis der vorliegenden Planungen langsam sicheres Fahrwasser erreicht. Dies gibt auch den Beschäftigten wieder mehr Sicherheit. Und bezogen auf das gesamte Industriegebiet kann man sagen, dass es in den vergangenen drei Jahren hier eine unglaubliche Entwicklung gegeben hat. Wenn wir jetzt noch das notwendige Netzwerk in Gang setzen, um effektiver zu arbeiten, und vor allem nach Außen noch bekannter zu werden, dann ist uns um die Zukunft nicht bange.“
Das Wirtschaftsministerium und die PEK Kirchmöser waren es letztlich auch, die zur Stärkung des Betriebes beigetragen haben. Denn gemeinsam wurden z.B. neue Kunden gesucht. Der Geschäftsführer: „War die Bahn AG lange unser einziger Auftraggeber, so ist sie es heute nur noch zu etwa 50 Prozent. Die anderen 50 Prozent sind Kunden privater Bahnbetreiber aus dem Inland und zunehmend auch aus dem Ausland. Richtig stolz sind wir auf die Kontakte zu Holländern, denen wir einen Meßzug gebaut haben, der in der Welt einzigartig ist. Und ein österreichischer Kunde erhält eine neu entwickelte Schienenfräse, die wir übrigens Minister Junghanns vorstellen werden.“
Der Neubau von Maschinen für den Gleisbau macht heute nur noch einen kleinen Teil der Arbeit aus. Der Markt ist heiß umkämpft, und große Firmen haben da immer Vorteile. Den Schwerpunkt legen die Gleisbaumechaniker darum auf Instandhaltung, Modernisierung und Service, wo sie wesentlich flexibler sein können als die Großen. So ist es selbstverständlich, dass ein Teil der Belegschaft das ganze Jahr über durch Deutschland reist und vor Ort die notwendigen Arbeiten erledigt. „Qualität der Arbeit und Termintreue sind unsere Markenzeichen“, sagt der Chef stolz. „Unsere Mitarbeiter sind kompetent, brennen für die Firma, haben ein riesiges Know-how. Das müssen wir in jeder Beziehung nutzen. Und darum bilden wir auch immer wieder junge Menschen aus, damit das Wissen der erfahrenen Kollegen weitergegeben werden kann. Was den Service betrifft, da kann ich mir vorstellen, dass wir in nicht ferner Zukunft mal ein System aufgebaut haben, das so ähnlich wie beim Auto funktioniert – wir erinnern den Kunden daran, dass bestimmte Inspektionen anstehen, machen Modernisierungsvorschläge usw.“
So wie Friedhelm Hahn Visionen für die Entwicklung der Gleisbaumechanik hat, so hat er sie auch privat: „Ich möchte hier die nächsten 15 Jahre tätig sein. Und werde dann vielleicht auch hier meinen Wohnsitz haben. Denn ich liebe das Land Brandenburg und die Gegend hier besonders.“