Michael Vender – der Name stand doch kürzlich schon einmal in einem Beitrag über Kirchmösers neue Firmen? Richtig. Michael Vender gehörte zu den Mitbegründern der heutigen COMplus AG. Aber er hatte sich aus der Firma zurückgezogen …
„Stimmt. Ich habe mich Mitte der 90er-Jahre verabschiedet, weil ich einerseits von einem der bedeutendsten Unternehmen der IT-Branche eine internationale Tätigkeit angeboten bekam und andererseits COMplus bei Uwe Maiberg in guten Händen wusste“.
 |  |

|
 Der 52-jährige Unternehmer
Michael Vender wird hier künftig
Leitern produzieren.
Fotos: ger
|
Michael Vender ist sozusagen der Vater von COMplus in Kirchmöser. Nach langjähriger Vertriebstätigkeit bei einer EDV-Vertriebsfirma hatte sich der gelernte Speditionskaufmann und studierte Betriebswirtschaftler im Jahr 1990 in Mannheim selbstständig gemacht und eine IT-Firma eben dieses Namens gegründet. „Ein Brandenburger Verband – ich weiß nicht mehr, wer es genau war – hat mich damals eingeladen, in Brandenburg einen Vortrag über Vertrieb und Marketing zu halten. Ein Gespräch während dieser Veranstaltung führte dazu, dass ich die leitenden Mitarbeiter vom damaligen Rechenzentrum des Werkes für Gleisbaumechanik, also die damalige Leiterin Frau Schmalz, Frau Stolze vom Einkauf und die Spezialisten für Hard- und Software, Herrn Maiberg und Herrn Draber, kennen lernte. Das WGM suchte einen Partner für die Installation eines komplexen Netzwerks mit mehreren Servern und PC-Arbeitsplätzen, und natürlich Softwareprogramme. Gesagt, getan. Es ging alles sehr schnell, und nach erfolgreicher Installation traten Uwe Maiberg und Frank Draber an mich heran und fragten mich, ob wir nicht gemeinsam ein Unternehmen gründen könnten. Daraus wurde dann COMplus in Brandenburg“
Die Zeit in Kirchmöser möchte der 52-Jährige nicht missen: „Es war eine spannende und aufregende Zeit“. Später, Ende der 90er war er als selbständiger Unternehmensberater tätig und entschloss sich 2002, in Thailand Geschäftsentwicklung zu betreiben und Kooperationspartner für deutsche Unternehmen, auch für COMplus und der AUTEV AG, zu finden und Projekte in der Automatisierungs- und Gleisbautechnik sowie im Bereich Erneuerbarer Energien zu realisieren. „Die Entscheidung fiel mir nicht schwer, Thailand ist ein wunderbares Land, das ich seit 1986 regelmäßig als Urlauber und 2000 auch oft geschäftlich besucht habe.“
Und nun kommt er direkt aus Thailand wieder zurück nach Kirchmöser. Warum?
„Eine lange Geschichte. Erstens habe ich nie den Kontakt hierher, speziell zu Uwe Maiberg, verloren. Und auch zur Firma AUTEV gibt es nach wie vor enge Kontakte. Ich war andererseits vor Ort in Thailand und lernte die fremde Kultur und Mentalität kennen. Die Thais sind zurückhaltend, aber auch begierig, speziell deutsche Produkte und Innovationen einzuführen. Deutsche Unternehmen wiederum haben regelrecht Angst vor Know-how-Diebstahl und Produktkopien, leider vielfach mit Recht, wenn man an China oder Indien denkt. Thailand aber ist eine führende Nation in Südostasien, auch wenn es noch ein so genanntes Schwellenland ist. Die Infrastruktur ist gut und das jährlich rund 6-prozentige Wirtschaftswachstum ist eine gute Geschäftsplattform. Ich habe heute so gut wie nichts mehr mit der Computerbranche zu tun. Energiegewinnung mittels Windkraftanlagen sowie Kunststoff- und Automatisierungstechnik sind meine Arbeitsgebiete. Meine Landeskenntnisse und Kontakte zur Industrie und Regierung kommen mir zugute. Ich habe mit vielen Partnern Projekte realisiert, Unternehmen, die in der Lage sind, hervorragende Produkte herzustellen. Ich berate nach wie vor das weltweit größte Unternehmen zur Herstellung von Surf- und Windsurfboards, die thailändische Firma COBRA. Meine Aufgabe war, neue Geschäftsfelder zu erschließen und praktisch umzusetzen. Heute produzieren wir Segeljachten für Teilnehmer des Americas Cup, Motorboote, Sportwagen, Ultraleichtflugzeuge und beliefern Automobil- und Motorradhersteller. All das hat mit Kunststoff zu tun. Ebenso die Rotorblätter für Windkraftanlagen, die aus Fiberglas bestehen. Die Folge: COBRA gründete die Firma New Energy, für die ich als Geschäftsführer tätig bin. In Thailand werden nun erste einzelne Anlagen sowie ein 35-MegaWatt-Windpark errichtet – mit unserer Unterstützung. Hierbei kam mir die Idee, die Leitern und Aufzugskörbe im Innern des Turms nicht mehr aus Stahl oder Aluminium, sondern aus glasfaserverstärktem Kunststoff herzustellen. Das Material ist leicht, korrosionsbeständig und vollisoliert.
Und nun zum Punkt, warum ich wieder zurückkomme: Bei all diesen Plänen und Ideen habe ich einen deutschen Kunststoffproduzenten kennen gelernt, der eben solche Leitern und Profile hergestellt hat. Im Januar diesen Jahres war dann der Plan bei mir gereift, Steh- und Anlege-Leitern sowie „ortsfest montierte Steigtechnik“ aus Kunststoff für Industrie, Handwerk und Dienstleister in Deutschland und Europa herzustellen, die sicherheitstechnisch allen extremen Anforderungen genügen. Die Herstellung ist maschinenintensiv, die Maschinen dazu gibt es in bester Qualität hier in Deutschland und die Facharbeiter ebenso. Es wäre unsinnig, das nach Thailand zu verlagern, da wir die Produkte ohnehin hier vertreiben werden. Nun schließt sich der Kreis zu Kirchmöser. Über Uwe Maiberg war ich auf dem Laufenden, was sich hier in Kirchmöser Positives tut, welche Unterstützung es durch Stadt und Land gibt. Es steht zu 100 Prozent fest: Ab April 2007 produzieren wir in dem Gebäude 6, Am Seegarten 13, in Kirchmöser als Firma SAM. Wir werden insgesamt fünf Arbeitsplätze schaffen. Hier suchen wir noch Facharbeiter, die aus dem Bereich der Kunststofftechnik kommen. Informationenn dazu gibt es vorübergehend bei der COMplus.“
Michael Vender wird zukünftig zwischen Thailand und Kirchmöser hin- und herpendeln. Sein Hobby, den Wassersport, kann er auf jeden Fall hier wie da ausüben. Und da, wie er sagt, seine Ideen für weitere Firmengründungen nicht abreißen, wird er immer wieder nach Brandenburg kommen. „Ich liebe das Land, ich bin gerne hier. Aber ich liebe auch Thailand und, vor allem, meine thailändische Ehefrau, die ich dort nicht alleine lassen will. Also werden wir wohl oft gemeinsam reisen.“