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 Ein Ungar in Kirchmöser. der
45-jährige Diplom-Ingenieur
Csaba Török leitet seit knapp
eineinhalb Jahren das Beton-
schwellenwerk der Firma
RAIL.ONE GmbH, die ihren
Stammsitz in Neumarkt in der
Oberpfalz hat.
Fotos: ger
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„Das Land und die Stadt Brandenburg fördern die Revitalisierung des Standortes Kirchmöser. Die Rahmenbedingungen haben uns bewogen, unsere Kapazitäten für die Bahntechnik zu erweitern und die logistischen Vorteile sowie weitere Synergiepotenziale durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Weichenwerk (BWG) zu nutzen.“
Diese Worte des Geschäftsführers von RAIL.ONE (bekannt als Pfleiderer track systems), Hans Bachmann, bilden die Grundlage dafür, dass heute bis zu 100000 laufende Meter Spannbetonschwellen auf dem Gelände des ehemaligen Weichenwerkes der Deutschen Reichsbahn produziert werden. Der Betrieb befindet sich neben dem heutigen Weichenwerk Butzbach, mit dem es seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit gibt.
2003 wurde das Betonschwellenwerk als fünfter Standort der Firma, die auf eine nahezu 100-jährige Bahn-Tradition zurückblicken kann, eröffnet. Damals dachte der heutige Betriebsleiter, Csaba Török, noch nicht daran, einmal in seinem Leben den Ort Kirchmöser kennen zu lernen. „Ja, von Brandenburg hatte ich schon gehört. Schließlich habe ich in Dresden an der Hochschule für Verkehrswesen von 1980 bis 1985 studiert. Und dann war ich von 1987 bis 1990 Baustellenleiter im damaligen Chemiefaserkombinat Schwarza in Thüringen. Aber Kirchmöser???“
Der heute 45 Jahre alte gebürtige Ungar ist bereits viel herumgekommen.
Mit der Wende hat sich auch für ihn eine neue Welt aufgetan. „Ungarn mit Außenminister Horn und natürlich Gorbatschow haben in der Zeit Entscheidendes bewirkt. Ich habe mich wie alle sehr gefreut, habe aber auch gesehen, dass längst nicht alles so kam, wie es vorher von der Politik versprochen wurde. So verstehe ich die Unzufriedenheit z. B. vieler Brandenburger, denn von den rund 10000 Stahl- und Walzwerkern sind bekanntlich nur einige Hundert übrig geblieben.“
Zwölf Jahre ist der Diplom-Ingenieur Török bereits in den Diensten der Firma Pfleiderer bzw. des Nachfolge-Unternehmens RAIL.ONE. Für ihn ist ganz wichtig: „Ich fühle mich sehr wohl hier. Natürlich gibt es auch mal Trödel, aber das ist überall so und da muss man durch. Das hier in Kirchmöser ist mein vierter Standort. Ich bin seit dem 1. Mai 2005 hier. In der alten Heimat Ungarn war ich von 1996 bis 2002, danach in Gernsbach bei Karlsruhe, wo auch heute noch mein Hauptwohnsitz ist und meine Familie lebt. Wir führen eine Wochenendehe. Ich reise zwar sehr gerne, aber das ist für mich schon sehr belastend, denn ich bin ein Familienmensch. So gesehen könnte ich mir schon gut vorstellen, dass wir hierher ziehen – die wunderschöne Seenlandschaft, Berlin und Potsdam mit dem riesigen Kulturangebot, usw. Aber erst müssen die Kinder mit der Ausbildung fertig sein. Und dann muss ich mir noch überlegen, wo ich im Winter Ski laufe, denn das mache ich auch sehr gerne, wenn die Zeit dazu ist.“
Was ist es, das den „ungarischen Süddeutschen“ hierher ziehen würde? „Wie gesagt, das Umfeld. Und dann die Menschen. Sie sind hier anders als in den alten Bundesländern, ein anderer Schlag. Es beginnt mit der Ausbildung, die bei vielen Leuten generell aus Osteuropa besser ist als im Westteil, viele sind hier einfach kreativer. Hier haben sie gelernt, wie es sprichwörtlich heißt, aus Sch... Bonbons zu machen. Das ist bis heute so. Wenn ich nur daran denke, dass meine ehemaligen Mitstudenten alle nach wie vor in Lohn und Brot sind, dann sagt das doch viel. Hier im Werk in Kirchmöser habe ich sehr viele Facharbeiter aus den verschiedensten Berufen, im Westen handelte es sich oft um Produktionshelfer. Bei uns hier arbeiten hervorragende, sehr motivierte Schlosser, Elektriker, usw. Allerdings habe ich auch festgestellt, dass es hier noch Nachholbedarf in Sachen Gewissenhaftigkeit bei der Arbeit gibt.“
Trotzdem oder auch gerade deswegen hat das Betonschwellenwerk mehrere Zertifikate für unterschiedliche Weichen errungen. „Wir produzieren ausschließlich Schwellen für die verschiedensten Weichen. Das heißt, es liegen immer konkrete Anforderungen vor. Darum haben wir uns ja auch direkt neben dem Weichenwerk Butzbach angesiedelt. Da die Schwellen einer Weiche unterschiedlich lang sind, rechnen wir nach laufenden Metern ab. Pro Jahr werden 400 bis 450 Weichen ausgerüstet. Übrigens stammen alle Schwellen für die Weichen im neuen Berliner Hauptbahnhof aus Kirchmöser. Wie auch in etlichen anderen großen deutschen Bahnhöfen. Für das kommende Jahr liegen bereits sehr viele Aufträge vor, auch für Weichen im Ausland. Dazu kommt: Wir sind gerade in einer Phase der generellen Umgestaltung. Die Bahn will statt des bisherigen K-Oberbaus auf den W-Oberbau umstellen. Hierbei handelt es sich um die Art der Befestigung der Schwellen. Als einen besonders großen Erfolg werte ich die Tatsache, dass wir hier in Kirchmöser vorgesehen sind, beim Aufbau mehrerer Werke in China mitzuhelfen. Das heißt, wir stellen Fachleute vom Schweißer bis zum Laboranten zur Verfügung, um mit unserem Know-how die dortige Produktion zu starten.“ Damit zeigen sich der Standort und insbesondere die Mitarbeiter in Kirchmöser als wesentliche „Stütze“ in der internationalen Wachstumsstrategie des Unternehmens.