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EFP-Geschäftsführer Dr. Ludger
Overmann investiert in das
Kraftwerk sowie in den Erhalt
und Ausbau des Hafens,
damit ihn auch andere Investoren
nutzen können.

Fotos: ger



Mindestens einmal in der Woche kommt Ludger Overmann von Lünen bei Dortmund über die Autobahn in rund vier Stunden nach Kirchmöser ins Industriegebiet Nord.

Doch es ist gewiss nicht leicht für ihn, in diesen Tagen hierher zu fahren. Denn immer öfter geraten er und die 38 Beschäftigten seiner Firma EFP (Environmental Friendly Power) am Bahntechnikerring ins Gerede – allerdings völlig unberechtigt. Der Grund: Von hier sehen die Kirchmöseraner in regelmäßigen Abständen Rauchwolken aufsteigen, kommt Brandgeruch in ihre Wohngebiete. Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Kirchmöser stehen laufend auf dem Gelände, um Schwelbrände zu bekämpfen. In den von der Biosyntheseanlage Kirchmöser GmbH & Co.KG angemieteten Bunkern kommt es zur Überhitzung der später zu verbrennender Materialen, weil offensichtlich die Lagerung fehlerhaft ist. Übrigens wird gegenwärtig die Rechtmäßigkeit des Mietvertrages juristisch geprüft, denn allein in diesem Teil des ehemaligen Kraftwerkes gab und gibt es immer wieder die Probleme.

 

Doch das alles war nicht vorauszusehen, als Dr. Ludger Overmann, 48 und promovierter Chemiker, bei einem Bietergespäch 2004 erstmals den Ortsnamen Kirchmöser hörte. Dort wurden die zwei Hauptschwerpunkte für die Entwicklung Kirchmösers vorgestellt: als bahnaffiner Standort und als Standort für Firmen des Bereiches Umwelt/Energie. „Bei den Gesprächen ging es damals um das alte Kraftwerk am Bahntechnikerring. Wir haben die Ausschreibung gelesen und das Objekt von eigenen Fachleuten untersuchen lassen. Es war so, dass entweder sofort etwas getan werden musste oder man hätte das Werk in ein oder zwei Jahren restlos abreißen können. Aber wir waren der Meinung, dass man daraus etwas für die Zukunft machen kann und haben ein entsprechendes Angebot abgegeben. Und dazu legten wir auch gleich ein Konzept für die künftige Standortnutzung vor. Darin haben wir klipp und klar gesagt, dass wir den Holzplatz und den Schiffsanleger neu bauen wollen und den Hafen künftig für Dritte öffnen werden. Wir bekamen den Zuschlag und haben dann umgehend in Abstimmung mit der PEK in Kirchmöser mit dem Umbau begonnen.“

 

Overmann und die Belegschaft sind stolz darauf, dass vor wenigen Tagen ein erster entscheidender Schritt abgeschlossen werden konnte. Der modernisierte Kessel für die Erzeugung von Dampf wurde angefahren.

 

Im Heizkraftwerk wird für die Erzeugung von Strom und Fernwärme ausschließlich Holz der Klasse A2 verwendet, das heißt, es ist unbehandeltes Abbruchholz. Momentan werden täglich rund 6 MW Strom für den Energieversorger EON und Fernwärme für viele Kirchmöseraner Haushalte und Firmen („Wie viele es genau sind, kann ich gar nicht sagen, das weiß allein der Netzbetreiber“) erzeugt.

„Es begann so, dass wir die Anlage gekauft, das Gebäude auf einem gepachteten Grundstück gemietet hatten. Inzwischen haben wir auch das Grundstück dazugekauft. Übrigens erfolgen all unsere Investitionen ohne staatliche Förderung, nur mit Eigenkapital. Jetzt ist alles in einer Hand. Wir befinden uns derzeit sozusagen in einer Zwischenphase. Der Kessel ist wie gesagt im September/Oktober erneuert worden. Im Frühjahr geht es mit der Modernisierung weiter. Das Ziel lautet: Produktion von 12 MW, also Steigerung auf das Doppelte. Dann steht auch der Hafenumbau auf dem Plan.“

 

Die größte Herausforderung in Overmanns beruflicher Laufbahn war bisher in technischer und logistischer Hinsicht die komplette Umsetzung eines Kraftwerks in Oer-Erkenschwick. „Kirchmöser läuft relativ glatt, weil wir es hier nicht mit einer neuen Technologie zu tun haben. Es ist auch sonst ein sehr gutes Arbeiten hier. Zum einen haben wir in Stadt und Land Brandenburg ein sehr gutes Investitionsklima und dann – was sehr wichtig ist – habe ich es mit sehr motivierten Mitarbeitern zu tun. Für mich gilt die Devise: Jede Firma ist so gut wie ihre Mitarbeiter. Ich verlange von den Mitarbeitern vor allem eine klare Identifikation mit dem, was sie tun. Das ist hier gegeben. Und die Bereitschaft, gemeinsam den eingeschlagenen Weg zu gehen, ist da. Die gerade in den alten Bundesländern oftmals zitierte so genannte Verbitterung in den neuen Bundesländern spüre ich hier absolut nicht.“

 

Der 48-jährige Geschäftsführer ist wirklich stolz auf das bislang Erreichte. Das spürt man mit jedem Wort, jeder Geste. „Unser Heizkraftwerk hat eine Zukunft! Wenn ich davon nicht so überzeugt gewesen wäre, dann hätte ich meinen sicheren Job in einem Ingenieurbüro nicht aufgegeben. Wir wollen mit dem Kraftwerk in den nächsten 20 Jahren Geld verdienen. Das bedeutet, auf lange Zeit sind auch die Arbeitsplätze hier gesichert.

Dennoch zieht es den Geschäftsmann nicht für dauerhaft ins Brandenburgische. „Das Umfeld von Kirchmöser ist wirklich sehr schön. Damit meine Familie das auch mal sehen kann, haben wir im Sommer hier einige Tage ausgespannt. Seit ich hier beruflich zu tun habe, wohne ich im Bedarfsfall in ,meinem‘ Lindenhof und muss sagen, dass es mir auch dort gut gefällt. Aber in Lünen haben wir unser Eigentum, das schon seit dem 19. Jahrhundert in Familienbesitz ist. Und da kriegt mich keiner weg. Meine Frau trägt das unruhige Leben mit, weil auch sie sieht, dass die Strecke hierher meist in einem Tag zu bewältigen ist. Ich habe ja sogar schon tägliche Fahrten bis zu 200 Kilometer auf mich genommen. Es zieht mich ohnehin immer nach Hause, denn da warten unsere dreieinhalbjährigen Zwillings-Jungs auf mich.“ Da muss sogar das Hobby auf der Strecke bleiben. Ludger Overmann ist begeisterter Sportschütze. „Ich habe es schon zu Erfolgen auf der Kreis- und Bezirksebene gebracht. Aber mehr war und ist nicht drin, weil ich mit dem Sport viel zu spät angefangen habe.“

 

 

 
EFP Kirchmöser GmbH | 04.02.12 | Druckversion
 

     
 
 
 

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